Genuss statt Kalorienzählen

Genuss statt Kalorienzählen

Im letzten Blogeintrag haben wir uns aus wissenschaftlicher und statistischer Sicht angesehen, warum Kalorien zählen sehr ungenau ist. Aber welche Auswirkungen hat Kalorienzählen auf unser Bewusstsein?

Kurzer Rückblick

Bevor wir damit starten noch einmal ein kurzer Rückblick, wieso es so schwierig ist, korrekte Angaben für die aufgenommenen Kalorien zu erhalten.

1)      Die Angabe auf dem Lebensmitteletikett unterliegen große Schwankungen.

2)      Es wird der physikalische Nährwert und nicht der physiologische Nährwert angegeben.

3)      Lebensmittel werden unterschiedlich absorbiert.

4)      Individuen haben unterschiedliche Darmbakterien und können so unterschiedlich gut aufgenommen werden.

5)      Verschiedene Zubereitungsarten führen zu Nährwertveränderungen.

6)      Kalorien zu zählen bedeutet mehr Stress für den Körper.

7)      Bei der Einschätzung der Portionsgröße schätzen wir die Portionen meist ungenau ein.

8)      Niemand kennt seinen genauen Energieumsatz.

 

Weniger Genuss

Das Konzept von „ich esse mehr – nehme zu oder ich esse weniger – und nehme ab“ klingt super. Doch leider ist es nicht so einfach. Vor circa 100 Jahren wurde erstmals eine Formel für den Energiebedarf von den Wissenschaftlern Harris Benedict veröffentlicht. Diese Formel ist nach wie vor in der Wissenschaft eine Methode (neben vielen anderen), um den eigenen Kalorienumsatz zu bestimmen. Sie berücksichtigt das Geschlecht und das Alter und kann so von jedem angewendet werden. Gängige Tracking Apps greifen auch auf solche Formeln zurück. Ist der Wunsch Abnehmen, dann ziehen sie ein paar Kalorien ab, beim Wunsch Zunehmen geben sie ein größeres Kalorienziel an.

Der einzige Vorteil von Kalorienzählen ist, dass wir einen guten Überblick über den ungefähren Energiegehalt sowie die Nährwertzusammensetzung bekommen. Ich kann schnell und einfach tracken, ob Brokkoli oder Kuchen mehr Energie, Fett etc. hat. Klar ist jedoch, dass striktes Kalorienzählen zu weniger Genuss des Essens führt. Zahlen erscheinen plötzlich wichtiger als der eigentliche Genuss der Speise. Gerade Personen mit akuten oder vergangenen Essstörungen sollten vorher mit ihrem Arzt Rücksprache halten, ob es für einen geeignet ist.

Beim Abnehmen spielen aber viele weitere Rollen eine gravierende Rolle, als nur ein Kaloriendefizit aufzuweisen. Treibst du Sport? Und wenn ja, wie machst du ihn? Stimmen deine sportlichen Handlungen mit deinen Zielen überein? Bekommst du genügend Schlaf? Wie hoch ist dein Stresslevel im Alltag? Es gibt jedoch auch Einflüsse, die wir weniger beeinflussen können, wie z.B. den Hormonhaushalt. All diese Faktoren sind individuell und brauchen dementsprechend auch eine individuelle Beratung, wenn man bestmögliche Ergebnisse erzielen will.

Was beim Kalorienzählen schief laufen kann

1)    Dein Grundumsatz wird nicht stimmen. Wie beschrieben gibt es zwar Formeln, die deinen Grundumsatz angeben, der einzige korrekte Weg ist jedoch, durch indirekte Kalorimetrie den eigenen Umsatz zu messen. Dazu trägt man eine Maske und ist an einer Maschine angeschlossen, die den Sauerstoffverbrauch und die Kohlendioxidabgabe misst.

2)    Angaben auf den Lebensmitteln sind sehr ungenau. Erlaubt sind bis zu 20 % Schwankungen auf den Etiketten. 250 kcal können also 200 kcal oder 300 kcal sein.

3)    Du weißt nicht, wie viele Kalorien du wirklich absorbieren kannst. 1 kcal ist leider nicht genau 1 kcal. Je verarbeiteter das Lebensmittel, umso mehr kann meist aufgenommen werden. Je mehr Ballaststoffe ein Lebensmittel erhält, desto weniger wird aufgenommen.

4)    Kalorienzählen kann deiner Gesundheit schaden. Auch wenn du keine Anzeichen von Essstörungen zeigst und keine Vergangenheit damit hast: Kalorienzählen lässt dich dein Hungergefühl ignorieren. Dein Körper sendet Hormone aus, dir deinem Kopf mitteilen, dass du essen sollst. Sagt dir deine App, dass du heute schon genug gegessen hast, aber du bist immer noch hungrig, ignorierst du ganz einfach deinen Körper. Das Gleiche ist andersrum. Stopfst du noch die letzten Kalorien in dich hinein, weil du noch etwas essen musst, ignorierst du die Sättigungsgefühle. Vertraust du einer App in dieser Hinsicht mehr als deinem Körper?

5)   Kalorienzählen unterstreicht das falsche Konzept, dass man Kalorien abtrainieren kann. Die Idee, dass du zu viel gegessene Kalorien einfach mit Sport weg bekommt, ist leider falsch. Dein Körper verbrennt die Kalorien deines Essens nicht Stück für Stück. Zudem würde es dich sehr, sehr viel Zeit kosten, im Gym jede Junk Food Kalorie abzutrainieren. Davon alleine würdest du wieder hungrig werden. Gelegentlich zu viel zu Essen ist etwas, womit dein Körper umgehen kann ohne zuzunehmen. Es ist das konstante Über(fr)essen, das einen zunehmen lässt.

Tricks statt Kalorienzählen

Anstelle also jede Kalorie zu zählen, die du isst (und ggf. auch absorbierst), versuche folgende Tricks, und du wirst gute Ergebnisse beim Abnehmen erzielen:

Kaufe hauptsächlich frische, natürliche Lebensmittel (am besten Bioqualität) und stelle dir beim Essen keine Kalorien vor. Versuche deine Ernährung als Ganzes zu betrachten anstelle von verschiedenen kleinen Teilen. Das bedeutet: Iss Gemüse, Früchte, Vollkorngetreide, mageres Protein. Iss mit Bedacht: Kaue gut, iss langsam, versuche die Textur und die Konsistenz zu schmecken. Welche Unterschiede haben verschiedene Farben im Geschmack? Stopfe dich nicht voll, sondern stoppe, wenn du zu 80% „voll“ bist.

Mit diesen Tricks kehrt Genuss zurück in dein Leben!

Viel Spaß beim Ausprobieren,

Rick Schmitz