Im Portrait! Sebastian Rieder

Im Portrait! Sebastian Rieder ist Headcoach und Geschäftsführer von CrossFit Vienna und hat CrossFit nach Österreich gebracht. Was Sport für sein Leben bedeutet, was er wirklich gerne macht und wo seine Stärken und Schwächen liegen erzählt er euch selbst.

Begonnen hat meine Liebe zum Sport schon in jungen Jahren und sie ist auch sicher zum Teil meinen älteren Brüdern geschuldet. Von klein auf habe ich stundenlang mit ihnen Fußball, Tennis, Basketball und viele andere Ballsportarten ausgeübt. Während meiner Gymnasialzeit habe ich als Amateur mäßig Fußball gespielt, und in der Schülerliga mit unserem Schulteam tolle Resultate im Basketball erzielt. Tennis war in all den Jahren auch immer ein ständiger Wegbereiter.

Faszination Kampf- und Selbstverteidigungskunst

Mit 16 Jahren habe ich dann zum ersten Mal eine Selbstverteidigungskunst ausprobiert – Aikido. Begeistert, aber nicht vollständig überzeugt, habe ich dann über Umwege Wing Tsun entdeckt. Diese Kampf- und Selbstverteidungskunst hat mich von Anfang an begeistert und fasziniert. Die Mischung aus Zen-Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus und das intellektuell und körperlich anstrengende Training ließen mich während meines Studiums, oft mehrere Stunden am Tag trainieren. Ich begann auch neben meinem Studium Wing Tun zu unterrichten und habe festgestellt, dass mir das lehren große Freude bereitet. Komplexe Sachverhalte greif- und spürbar zu machen, das Training körperlich herausfordernd zu gestalten und mich immer wieder am Fortschritt anderer zu erfreuen, ließen in mir den Wunsch wachsen eine unterrichtende Tätigkeit als Lebensinhalt auszuüben.

CrossFit als Wendepunkt

Nach mehreren Jahren intensiven WT Trainings und immer noch auf der Suche nach einem vernünftigen Fitnessprogramm, brachte mich schließlich ein Freund zu CrossFit. Er erzählte mir von seinem Buds-Prep Programm, dass ich eine Zeit lang durchführte – laufen, schwimmen, Sit-ups, Push-ups, Pull-ups – JEDEN TAG. Auf der Suche nach mehr entdeckte ich Anfang 2007 Sealfit und dort einen Verweis zu dem Artikel: „What is Fitness?“ von Greg Glasmann. Dieser Artikel wurde zu einem Wendepunkt in meinem Leben und kam genau zur richtigen Zeit. Ich begann neben Wing Tsun, auch intensiv 5-6 mal pro Woche in einem kleinen Keller im 8.Bezirk CrossFit zu trainieren.

Im September 2007 gab es dann das erste Level 1 in Manchester bei Karl Steadman in der Box (noch mehr Old-School als das Dungeon ;-), das ich sofort buchte. Dort traf ich zum ersten Mal CrossFit Gründer Greg Glassman persönlich, und wir sprachen über Genetik und wie Sport und Bewegung die Genexpression verändern können. 2008 begann ich dann in einem sehr kleinen Kreis Verwandte und gute Freunde zu trainieren. 2009 kurz vor Abschluss meines Mathematik-Studiums habe ich dann den Entschluss gefällt CrossFit hauptberuflich zu machen – und CrossFit Vienna ins Leben gerufen. CrossFit Vienna gehörte damals mit Basel und Ansbach, zu den ersten Boxen im deutschsprachigen Raum.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Und wie Hermann Hesse so schön schreibt – „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – waren die ersten Jahre einfach ein wunderbarer Aufbruch zu etwas Großem. Langsam aber stetig kam einer nach dem anderen in den Keller (The Dungeon) und ich durfte sie mit meiner Leidenschaft für CrossFit anstecken.

2009 traute ich mich dann über das alte CrossFit Level 2 – eine sehr rigorose praktische Coaching Prüfung. Von den 45+ Leuten kamen nur 3 durch – und ich war einer der Glücklichen. Daraufhin fragte mich das CrossFit Headquarter, ob ich nicht an einem Internship interessiert wäre. Seit 9 Jahren arbeite ich nun Wochenende für Wochenende für CrossFit und bilde auf der ganzen Welt Trainer aus. Das hat mich zu vielen spannenden Orten gebracht – zum Ort der ersten CrossFit Games nach Aromas auf die Ranch von Dave Castros Bruder, Nach Djibouti auf eine Militärbasis in der Wüste.

2013 kam dann als nächste Location das Loft und das Warehouse dazu. Julian hat wenig später dann auch das Starship aufgesperrt. Die CrossFit Vienna Family wurde größer und größer. Gregor Rath hat dann das Warehouse übernommen und ist seinen eigenen, spannenden Weg gegangen mit Strongfit.

Z-Health

Neben CrossFit ist meine nächste Leidenschaft Z-Health bzw. das Gehirn geworden. Nach mehreren Jahren, die ich berufsbedingt keine Kurse machen konnte, entschloss ich mich 2014 dazu, mit meiner Z-Health Ausbildung zu beginnen und werde sie dieses oder nächstes Jahr als Master Trainer abschließen. Das Gehirn in seiner Komplexität ist faszinierend und es ist wie ein Abenteuer mit Athleten zusammen zu arbeiten, die oft Jahre lang an Defiziten und Schmerzen gelitten haben und plötzlich wieder ein ganz neues Gefühl für ihren Körper bekommen.

Ich selbst habe diese Veränderung ganz intensiv an meinen Augen feststellen können. Ich habe seit dem 14 Lebensjahr eine Brille getragen und wurde sie 2015 wieder los. Der erste Schritt war es wieder binokular zu sehen (mein Gehirn hat das Bild eines Auges quasi unterdrückt) und dann langsam wieder meine Kurzsichtigkeit zu beheben (Wer hat Interesse an einem Augenseminar?).

Mehr Zeit für die Familie

Mittlerweile versuche ich es ein bisschen ruhiger anzugehen und mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Zwei Kleinkinder und eine große Tochter halten mich ganz schön auf Trab. Neben CrossFit versuche ich auch wieder einem alten CrossFit Motto (siehe Fitness in 100 Words; Link: https://stuff.crossfit.com/products/fitness-in-100-words) zu folgen: Regulary Learn and Play New Sports. Ich spiele wieder Tennis, gehe ab und zu klettern, habe letztens 8 Sportarten in 4 Tagen ausprobiert und gelernt.

Eine tiefe Erkenntnis

Was ich in all den Jahren mit CrossFit gelernt habe? CrossFit trainiert man nicht zum Selbstzweck, es geht darum fit für das Leben zu werden. Ich habe auf meinem Weg so viele tolle Trainer, Mentoren und Athleten kennen lernen dürfen und freue mich schon auf all die weiteren Erfahrungen in unser CrossFit Community.